Eine erste Einschätzung anhand von Fotos und Angaben ist schnell gemacht. Verbindlich wird ein Ankaufpreis aber erst nach der Besichtigung. Viele Verkäufer sind unsicher, was dabei eigentlich passiert und warum sich der Preis noch ändern kann. Dieser Ratgeber erklärt Schritt für Schritt, worauf bei einer Fahrzeugbewertung vor Ort geachtet wird – damit Sie wissen, was auf Sie zukommt.
Warum überhaupt eine Besichtigung?
Fotos zeigen viel, aber nicht alles. Ob der Motor kalt sauber anspringt, ob die Kupplung rutscht, ob unter dem Auto Rost blüht oder ob ein Steinschlag im Sichtfeld der Frontscheibe liegt, lässt sich nur vor Ort feststellen. Die Besichtigung gleicht deshalb Ihre Angaben mit dem tatsächlichen Zustand ab. Stimmt beides überein, bleibt es bei der Einschätzung. Finden sich deutliche Abweichungen, sollte der Käufer nachvollziehbar erklären, wie sie sich auf den Preis auswirken.
1. Papiere und Identität
Am Anfang steht der Abgleich der Unterlagen:
- Stimmt die Fahrzeug-Identifizierungsnummer (FIN) am Auto mit der in den Zulassungsbescheinigungen überein?
- Sind Teil I und Teil II vorhanden, und ist der Verkäufer berechtigt zu verkaufen?
- Wann ist die nächste Hauptuntersuchung fällig, und was steht im letzten Prüfbericht?
- Belegen Serviceheft und Rechnungen die Wartung und den Kilometerstand?
Fehlt ein Dokument, ist das kein Grund zur Panik – Hinweise dazu stehen im Artikel Fahrzeugbrief verloren.
2. Karosserie und Lack
Beim Rundgang um das Auto wird auf Dellen, Kratzer, Steinschläge und Rost geachtet – besonders an Radläufen, Schwellern, Türunterkanten und Heckklappe. Ungleichmäßige Spaltmaße zwischen Türen, Hauben und Kotflügeln oder Farbunterschiede zwischen einzelnen Teilen können auf frühere Reparaturen hindeuten. Ein Lackschichtdickenmessgerät liefert zusätzliche Hinweise, ersetzt aber nicht den Blick auf das Gesamtbild. Frühere Unfallschäden sind kein Problem, solange sie bekannt sind und offen genannt werden; mehr dazu im Ratgeber Unfallwagen verkaufen.
3. Reifen, Räder und Scheiben
Profiltiefe, gleichmäßiges Abfahrbild und Alter der Reifen (das Herstellungsdatum steht als DOT-Nummer auf der Flanke) werden geprüft. Einseitig abgefahrene Reifen können auf eine verstellte Spur hindeuten. Ein zweiter Rädersatz wird positiv berücksichtigt. Bei den Scheiben zählt vor allem die Frontscheibe: Steinschläge im Sichtfeld des Fahrers können ein HU-Mangel sein.
4. Innenraum
Sitze, Lenkrad und Schalthebel zeigen, wie intensiv ein Auto genutzt wurde, und sollten zum Kilometerstand passen. Geprüft werden außerdem:
- Funktion von Fensterhebern, Spiegeln, Klimaanlage, Navigation und Assistenzsystemen
- Warnleuchten im Kombiinstrument nach dem Start
- Gerüche, Feuchtigkeit im Fußraum oder Kofferraum
- Zustand des Kofferraums und des Ersatzrads bzw. Pannensets
5. Motor und Technik
Idealerweise wird das Auto kalt gestartet, weil sich manche Probleme nur dann zeigen. Achten lässt sich auf Startverhalten, Laufruhe, ungewöhnliche Geräusche, Rauch aus dem Auspuff und Ölverlust. Ein Blick in den Motorraum zeigt den Ölstand, den Zustand von Kühlmittel und Schläuchen und mögliche Marderschäden. Wo möglich, kann ein Auslesen des Fehlerspeichers zusätzliche Hinweise geben.
6. Probefahrt
Ist das Auto zugelassen und fahrbereit, gehört eine kurze Probefahrt dazu: Kupplung, Schaltung oder Automatik, Bremsen, Lenkung, Geräusche über Unebenheiten. Bei einem Auto ohne gültige HU oder mit technischem Defekt entfällt sie; dann wird der Zustand im Stand beurteilt. Mehr dazu in den Ratgebern Auto ohne TÜV verkaufen und Auto mit Motorschaden verkaufen.
Vom Befund zum Preis
Am Ende werden die Beobachtungen mit dem Marktwert des Modells zusammengeführt. Grundlage ist, was vergleichbare Fahrzeuge im Handel und gegebenenfalls im Export erzielen. Davon werden anstehende Reparaturen, fehlende Unterlagen und ein bald fälliger TÜV abgezogen; gepflegte Wartung, gute Reifen oder eine gefragte Ausstattung wirken positiv. Welche Faktoren dabei besonders zählen, erklärt der Artikel Was den Wert eines Gebrauchtwagens bestimmt.
Ein fairer Käufer erklärt Ihnen, welche Punkte den Preis beeinflusst haben. Sie entscheiden danach in Ruhe, ob Sie verkaufen möchten.
So bereiten Sie die Besichtigung vor
- Auto innen aussaugen und außen waschen – Schäden sollen sichtbar sein, nicht versteckt
- Papiere, Serviceheft, Rechnungen und alle Schlüssel an einem Ort bereitlegen
- Bekannte Mängel aufschreiben, damit nichts vergessen wird
- Das Auto möglichst nicht direkt vor dem Termin warm fahren
- Für einen Termin außerhalb von Bocholt, etwa in Wesel oder Ahaus, vorab ausführliche Fotos senden
Den Ablauf einer kostenlosen Einschätzung bei uns finden Sie auf der Seite Kfz-Bewertung Bocholt.
Elektroautos und Hybride: worauf zusätzlich geachtet wird
Bei Fahrzeugen mit Hochvoltbatterie kommt ein Prüfpunkt hinzu, der den Wert stark beeinflusst: der Zustand der Antriebsbatterie. Hilfreich sind ein Batteriezertifikat oder eine Auslesung der verbleibenden Kapazität, Nachweise über eine noch laufende Batteriegarantie und das vollständige Ladezubehör. Bei der Besichtigung werden außerdem die Ladebuchse, die angezeigte Reichweite bei bekanntem Ladestand und mögliche Warnmeldungen des Hochvoltsystems betrachtet.
Was eine Besichtigung nicht leisten kann
Eine Besichtigung beim Ankauf ist kein Sachverständigengutachten. Ohne Hebebühne und Zerlegung bleiben manche Dinge verborgen – etwa der Verschleiß im Inneren des Motors oder Rost in Hohlräumen. Deshalb sind Ihre Angaben so wichtig: Was Sie über das Auto wissen, ergänzt das, was beim Termin sichtbar ist. Brauchen Sie einen gerichtsfesten Wertnachweis, etwa für eine Erbauseinandersetzung, beauftragen Sie einen unabhängigen Kfz-Sachverständigen.
Häufige Fragen zur Besichtigung
Wie lange dauert eine Besichtigung?
Das hängt vom Fahrzeug und vom Zustand ab. Mit vorbereiteten Unterlagen und einem zugänglichen Auto ist sie meist überschaubar; bei Schäden oder fehlenden Papieren dauert sie länger.
Kann sich der Preis nach der Besichtigung noch ändern?
Ja, wenn der Zustand deutlich von den Angaben abweicht. Stimmen Angaben und Zustand überein, sollte es bei der Einschätzung bleiben.
Muss das Auto für die Besichtigung zugelassen sein?
Nein. Ein abgemeldetes oder nicht fahrbereites Auto wird im Stand beurteilt. Eine Probefahrt ist dann nicht möglich.
Sollte ich vor der Besichtigung noch etwas reparieren?
Kleinigkeiten wie ein defektes Leuchtmittel ja, größere Reparaturen meist nicht. Sie bringen beim Verkauf selten den vollen Betrag zurück.
Bereit, Ihr Auto jetzt zu verkaufen?
Kostenlose, unverbindliche Einschätzung für Ihr Auto in Bocholt und Umgebung.
Weiterführende Themen:
Kurz-Checkliste für Ihren Autoverkauf
- Zulassungsbescheinigung Teil I und II, Ausweis und alle Schlüssel bereitlegen
- Bekannte Mängel und Schäden offen angeben – das schützt Sie rechtlich
- Schriftlichen Kaufvertrag mit Datum und Uhrzeit der Übergabe abschließen
- Fahrzeug und Papiere erst übergeben, wenn der Betrag bei Ihnen ist
- Vertragskopie aufbewahren, bis die Abmeldung bestätigt ist
Weitere Antworten finden Sie in unseren häufigen Fragen zum Autoankauf.